Heilung ist immer möglich, wenn wir verstehen, was Heilung wirklich bedeutet

Bild zeigt einen Teich in einem Park. Bäume leuchten in herbstlichen Farben. Eine Fontäne schießt Wasser in die Luft. Dahinter bildet sich ein Regenbogen
(c) Christa Stöffelbauer

„Gesunden ist manchmal eine Option, Heilung ist immer eine Option“
Dr. Kelly A. Turner

In vielen komplementär-medizinischen oder alternativen Heilungstraditionen lässt sich irgendwie eine Unterscheidung zwischen „gesund werden“ und Heilung treffen. Diese Unterscheidung ergibt für mich sehr viel Sinn. Ich habe durch meine Krebserkrankung selbst entdeckt, was das bedeutet.

In einem anderen Beitrag schreibe ich über das Buch „9 Wege in ein krebsfreies Leben“ von Kelly A. Turner. Darin beschreibt sie die Geschichten von Menschen, die Krebs trotz (schulmedizinisch gesehen) unrealistischen Chancen, überleben. Für mich war dieses Buch unglaublich inspirierend. Es hat mich darin bestärkt, dass ich und wir Menschen selber sehr viel für unser Immunsystem und die Überlebenschance bei Krebserkrankungen tun können. Was mich sehr bewegt hat war, dass Kelly A.Turner schreibt, dass viele Überlebende, ihre Heilungsreise niemals ungeschehen machen wollen würden. Dem kann ich nur vollkommen zustimmen.

Ich sage immer wieder, dass Krebs zu haben, das Beste war, was mir jemals in meinem Leben passiert ist. Zwar waren die Behandlungen sehr unangenehm und auslaugend, aber ich bin eindeutig durch meine Erkrankung geheilt. Ich habe wesentliche Dinge über die Welt gelernt und bin meistens viel glücklicher und zufriedener als vor der Erkrankung.

Wenn ich erfahren würde, dass die Erkrankung erneut auftritt und ich vielleicht sterben werde, wäre ich auf einer Ebene sicher extrem, traurig, wütend, verzweifelt und alles mögliche sonst. Aber auf einer anderen Ebene, denke ich mir irgendwie so etwas: Das letzte Jahr war so voll mit schönen Dingen. Ich kann so viel mehr sehen, wie toll es ist einfach am Leben zu sein. Einen Apfel zu essen. Die Sonne durch die Blätter eines Baums anzusehen und so weiter. Selbst wenn ich nur mehr eine begrenzte Zeit leben würde: Die innere Lebensqualität, die ich so jetzt habe, kann mir nichts mehr nehmen. Aber es spricht natürlich auch nichts dagegen, mit dieser inneren Lebensqualität noch sehr lange auf dieser Welt zu sein.

Heilung ist ganzheitlich

Kelly A. Turner unterscheidet zwischen Gesunden und Heilen. Gesunden bedeutet eine Krankheit mit ihren Symptomen zu überwinden. „Heilen ist dagegen ein integrativer Prozess, der neben dem physischen auch das mentale, emotionale und spirituelle Wohlsein mit einschließt“ (Turner 2015: 283). Heilung hat also eine spirituelle Komponente. Deswegen verwende ich auf dieser Webseite das Wort Heilung. Ich möchte mit den vielen Zugängen und Texten zeigen, dass es mir um mehr geht als nur darum, dass ich jetzt krebsfrei und am Leben bin. Ich denke, dass ich, wir alle, die Gesellschaft und unser Planet Heilung brauchen. Dieser Blog leistet im Idealfall einen Beitrag dazu, dass mehr Menschen sehen können, dass wir uns, die Gesellschaft und den Planeten auch „heilen“ können.

Auch Rüdiger Dahlke und Thorwald Dethlefsen beschreiben in ihrem Buch „Krankheit als Weg“, dass im deutschen im Wort Heilung schon die Bedeutung angelegt ist. Es geht darum „heil“ also ganz zu werden, was eher etwas mit Spiritualität und einer inneren Haltung / einem Bewusstseinszustand zu tun hat, als mit der Rückbildung eines Symptoms oder dem perfekten störungsfreien Funktionieren des Körpers.

Ganz bzw. „heil“ zu werden, bedeutet für mich also alle verschiedenen Anteile in mir in ein harmonisches Gleichgewicht zu bringen, in meiner Mitte zu sein. In vielen ganzheitlichen und spirituellen Traditionen wird Gesundheit als Zustand von Harmonie und Ausgeglichenheit beschrieben, der vor allem, oder zuerst von der geistigen Ebene bestimmt wird.

Eine weitere wunderbare Definition für Heilung stammt von Jon Kabat-Zinn, der mit einem Blick auf Achtsamkeit meint, dass Heilung bedeutet, mit den Dingen angemessen umgehen zu können, die momentan da sind. Wenn wir dort sein können, wo wir gerade sind und nicht versuchen irgendwo anders hinzukommen, können wir in uns liegende Ressourcen anzapfen und eben heilen.

„When we can actually be where we are, not trying to find another state of mind, we discover deep internal resources we can make use of. Coming to terms with things as they are is my definition of healing.“ Jon Kabat-Zinn

Stolperstein bei gewissen Heilmethoden und „Selbsthilfe-“ oder „spiritueller Literatur“

Auch Eckhart Tolle, ein Mensch dessen spirituelle Lehren maßgeblich zu meiner Heilung beigetragen haben, spricht von diesem ganzheitlichen Begriff. In irgendeinem Video, das ich gerade leider nicht finde, spricht er von der Gefahr, die manche Heilungsansätze in sich tragen. Wenn Beispielsweise Menschen Heilung nur als Überleben einer Krankheit / Verschwinden eines Symptoms verstehen, dann kann das unglaublichen Druck und Leiden erzeugen. Wenn eine Person doch sterben muss oder ein Symptom nicht weggeht, können Menschen das Gefühl haben „versagt“ zu haben. Ich stelle auch auf dieser Seite viele Dinge vor, die sich positiv auf „Gesund-werden“ auswirken können. Manche dieser Zugänge haben auch das Potenzial so verstanden zu werden, dass „alles möglich ist“, wenn wir x, y oder z machen. Wenn Menschen gewisse (spirituelle) Lehren, Ideen oder Bücher so verstehen, dass man sich selbst nur genug lieben/ achtsam oder vegan genug sein muss um gesund zu werden, was bedeutet das dann für einen Menschen, wen man es nicht „schafft“?

Eckhart Tolles Zugang ist für mich so heilsam, weil er mir gezeigt hat, dass besonders im Unangenehmen / im Leiden und bei mir z. B. Krankheit, die Schlüssel für Erleuchtung und spirituelle Erkenntnis liegen. In einem Video z. B. spricht er davon, dass todkranke Menschen, die das zu Ende gehen ihres Lebens akzeptiert haben und keinen inneren Widerstand mehr erzeugen, oft so eine starke energetische Ausstrahlung haben, dass sie für Außenstehende richtig heilsam sind.

Mir ist wichtig, aus einer Krebs überlebenden Perspektive zu sagen, dass ich nicht finde, dass das reine Überleben / Nicht-mehr-Krebs haben Erfolg und Heilung bedeutet und Menschen, die an ihrer Erkrankung sterben, irgendwie „es nicht geschafft“ haben. Krankheiten gehören einfach auch zu unserer Existenz dazu und es ist ein Teil des Lebens, dass Menschen daran sterben.
Deswegen gefällt mir dieser ganzheitliche Fokus. Auch wenn vielleicht unser Körper stirbt, können wir geistig und innerlich trotzdem sehr viel geheilt sein und diese Transformation kann auch andere Menschen tief bewegen und heilen. Insofern bin ich davon überzeugt, dass nichts je verloren ist oder in diesem Sinne je etwas wirklich schief gehen kann.

Heilung in dir – Heilung in der Welt

Vielen Menschen die sich mit Heilung beschäftigen ist gemein, dass sie Krankheiten als Botschaften des Körpers verstehen, die uns über ein Ungleichgewicht, eine Disharmonie oder einen Handlungsbedarf informieren wollen. In einem übertragenen Sinn deckt sich das eigentlich auch mit wissenschaftlichen Wissen. Wir könnten uns gewisse Dinge mit dieser Brille anschauen:

  • Wenn wir unsere Umwelt stärker vergiften um billiger und mehr Waren zu produzieren, entstehen daraus wieder umweltbedingte Krankheiten, die uns zeigen wollen, dass wir gesellschaftlich mit einem falschen Bewusstsein leben.
  • Wenn Überflusserkrankungen, wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck zunehmen, ist das nur ein Spiegelbild des Bewusstseinszustandes der heutigen kapitalistischen Leistungs- und Konsumgesellschaft, in der es immer um „mehr“ konsumieren und haben geht.
  • Je mehr wir das kapitalistische/neoliberale Weltbild verinnerlichen, dass wir alle Individuen sind, die gegeneinander um Erfolg, Geld und Anerkennung konkurrieren, desto mehr steigen Depression und psychische Erkrankungen an etc.

In alle diesen Entwicklungen etabliert sich jedoch auch immer mehr progressive und ganzheitliche Philosophien, Schulen, Ideen und Modelle. Immer mehr etabliert sich beispielsweise eine ganzheitliche Medizin, welche auch die psychische, emotionale, sexuelle und spirituelle Dimensionen mit einschließt. So definiert auch die Weltgesundheitsorganisation seit 1946 Gesundheit als „Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen

~

Auf dieser Homepage verwende ich den Begriff Heilung nicht nur im Krankheitskontext, sondern in manchem Beiträgen auch in einem gesellschaftlichen und kollektiven Sinn. Ich möchte zeigen, dass nicht nur wir als Menschen, sondern auch ganze Gesellschaften und die Menschheit im Allgemeinen von Traumata und der Geschichte heilen muss. Kolonialismus, Faschismus, Patriarchat oder unsere kapitalistische Gesellschaftsordnung können letztlich als Ausdruck / Symptome / Krankheiten, gedeutet werden, die uns zeigen, dass wir als globale menschliche Gemeinschaft nicht heil/ganz sind.
Es gibt immer mehr beginnende kleine und große Revolutionen, mehr und mehr ökologische und soziale Bewegungen, die an einer Veränderung des kollektiven Bewusstseins und für Menschenrechte, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit arbeiten.

Insofern sind alle Bemühungen, Maßnahmen und Arbeit für Menschenrechte, Antidiskriminierung und soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz für mich auch „Heilungsarbeit“.
Ich denke, es braucht beides. Die Heilung von uns selbst und die Heilung der Welt gehen Hand in Hand. Damit die Welt im Außen heil/ganz wird, müssen wir innerlich heil und ganz werden. Je heiler die Welt im Außen ist, desto besser die Voraussetzungen, an unserer inneren Heilung zu arbeiten.

Insofern lade ich Euch ein: Lasst uns zusammen uns selbst und die Welt Stück für Stück heilen.

Ressourcen

Kelly A. Turner (2015): 9 Wege in ein krebsfreies Leben. Wahre Geschichten von geheilten Menschen, Irisiana Verlag, München.

Dahlke, Rüdiger/ Detlefsen, Thorwald (2015): Krankheit als Weg. Deutung und Bedeutung der Krankheitsbilder. Goldmann, München

Artikel – The healing power of mindfulness (Englisch)


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