Einleitung – Warum mit unserer Psyche und Geist zu arbeiten auch auf unseren Körper wirkt – Einleitung

In den Artikeln zu Psyche & Geist wird es um Methoden und Möglichkeiten gehen, unsere psychischen und geistigen Ressourcen anzuzapfen. Ich stelle einige Gedanken, Ideen und Menschen vor, die sich z. B. mit Selbstakzeptanz, Eigenliebe, positivem Denken, Dankbarkeit, Vergebung, der Arbeit mit Imagination und so weiter beschäftigen. Es gibt aber natürlich viel mehr, aber diese Zusammenstellung hat sich bei mir, in meinem Leben, so ergeben. Ich ermutige dich, offen zu sein, die zu dir passenden Methoden zu finden! Weil es für mich so zentral ist, habe ich weitere Ressourcen in einem eigenen Block „Meditation und Achtsamkeit“ zusammengefasst. Achtsamkeit und Meditation haben genauso einen Einfluss auf Psyche und Geist, wie die Ressourcen der Psyche und Geist Kategorie, also eigentlich gehört es auch zusammen.

Psyche und Geist

Ich schreibe hier und generell immer wieder von Psyche und Geist. Manchmal werden diese Wörter synonym verwendet oder auch getrennt, z. B. werden viele Techniken der „Körper-Geist“ Medizin zugeordnet oder andere entspringen der „Psychoonkologie“, positiven Psychologie, oder sind Methoden aus der Selbstfürsorge oder Tramapädagogik.
Ich definiere die Psyche für mich als Summe allen Denkens und Fühlens, also aller Konzepte, Ideen, Erfahrungen und der dazugehörigen Emotionen. Der Geist verweist für mich auf eine spirituelle Dimension. Darauf, dass wir noch mehr sind als nur die Summe unserer Erfahrungen, Gefühle und Gedanken. Beide Ebenen sind wichtig und oft sehr verschränkt, weswegen ich hier keine klare Trennung ziehe. Generell würde ich sagen, dass der Schwerpunkt dieses Blogs eher auf der geistigen Ebene ist, da hier für mich die zentralsten Erkenntnisse entstanden. Ebenso habe ich mich als Sozialarbeiter schon lange mit psychischer Gesundheit und Therapie auseinandergesetzt, und viele Zugänge und Konzepte sind für mich selbstverständlich. Vielleicht arbeite ich zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr psychologisches Wissen in die Webseite ein.

Aber auch geistige Erkenntnisse wirken sich auf psychische Prozesse aus, und ich bin trotz neuer geistiger Zugänge auch noch ein Mensch mit Psyche und Körper. Manchmal kann ein falsches Gefühl von Spiritualität psychische Prozesse und die Notwendigkeit, sich mit Gefühlen und Gedanken auseinanderzusetzen, verdecken. Beispielsweise können sich Menschen in Religiosität oder spirituelle Gefühle von „Mit-allem-eins-sein“ flüchten, um schwierige Gefühle von Verletzungen und Wunden nicht zu spüren. Das Zudecken von Themen der Psyche mit Spiritualität bezeichne ich in Anlehnung an Robert Masters, einem US-amerikanischen Psychotherapeuten, als „spiritual bypassing“, also spirituelles Umgehen. Ich finde es ein sehr spannendes Konzept und werde es bald in einem eigenen Beitrag vorstellen.

Wie bei allen Themen gilt: Etwas für sich selbst zu tun und Methoden der Körper-Geist-Medizin oder Selbsthilfe in die alltägliche Routine einzubauen, ist kein Ersatz dafür, sich von professionell ausgebildeten Menschen unterstützen zu lassen, wenn das notwendig und angebracht ist. Besonders wenn wir mit Traumatisierungen konfrontiert sind, kann es schief gehen, „auf eigene Faust“ mit vielen solchen Ressourcen zu arbeiten, ohne dabei eine Begleitung zu haben. Wenn wir selbstständig Methoden anwenden, die z.B. dazu führen, dass wir mehr in Kontakt mit unseren Anteilen und Gefühlen kommen, kann es auch sein, dass dadurch erst Dinge ins Bewusstsein kommen, die vorher – aufgrund einer Traumatisierung – abgespalten waren. Wenn traumatische Ereignisse ins Bewusstsein treten, kann das natürlich sehr heftige Reaktionen auslösen. Insofern würde ich immer raten, sich auch um ein sicheres Netz zu kümmern und z.B. zumindest Kontakte zu unterstützenden Personen wie Therapeut_innen oder Psycholog_innen oder Heiler_innen, denen du vertraust, zu haben. Wenn wir an psychischen und/oder tiefsitzenden Themen arbeiten, können wir dies meist nur schwer allein schaffen. Sich therapeutische Unterstützung zu holen, ist immer ein Zeichen von Selbstfürsorge und Wertschätzung für uns selbst!

Psychische und geistige Gesundheit in der Onkologie / Krebsbehandlung

Psyche, Geist und Körper verbinden

„All the distress, that is cumulative for cancer patients, affects their biochemical status as well as their molecular status, that are critical, relevant to either the progression of cancer or the inhibition of cancer“
Penny Block

Wie ich bei der Einleitung zu integrativer Onkologie schon erwähnt habe, gibt es nach den Onkolog_innen im „Block Center for Integrative Cancer Treatment“ in Illinois, USA, im Körper sehr viele Mechanismen, die Krebs beeinflussen. Sehr viele körperliche Prozesse interagieren mit Stress und Stresshormonen. Wie schon im Artikel zu „Selbstheilung“ angesprochen, verfügt der Körper über Stress- und Entspannungsreaktionen. Auch die Ärzt_innen des Block Centers weisen auf den Effekt dieser Reaktion auf biochemischer und molekularer Ebene hin. Chronischer Stress, wie beispielsweise Angst und Hoffnungslosigkeit bei einer Krebsdiagnose, können gewisse Wachstumshormone, freie Radikale, entzündungsfördernde Partikel oder immunsuppressive Faktoren so beeinflussen, dass sie ein krebsförderndes Umfeld schaffen.

Wenn wir uns um unsere Psyche und unseren Geist kümmern, beschäftigen wir uns in weiterer Folge auch um unseren Körper. Wenn wir also einen positiven, beruhigenden, Sicherheit schaffenden Einfluss auf unseren Geist und unsere Psyche nehmen, nehmen wir in einem weiteren Schritt auch Einfluss auf unsere Stressreaktionen und damit unsere Entzündungswerte, freie Radikale und unseren Hormonhaushalt, welcher dann auch förderlich für unsere Gesundung von Krebs und anderen Krankheiten sein kann (vgl. Block 2009: 213f.).

Penny Block, die zusammen mit ihrem Mann Keith I. Block das integrative Krebszentrum in den USA leitet, kritisiert in einem Interview, dass die psychische Gesundheit nur als Nebenschauplatz in der Krebsbehandlung behandelt wird. In der Forschung wird die Psyche quasi als „softe Materie“ angesehen und als weniger wichtig für die Heilung als die „harten“ und wichtigen Fragen rund um Medikamente, Chemotherapien, Operationen etc. Im Block Center wird es hingegen als Mythos angesehen, dass die Psyche unabhängig vom Körper existiert und es keinerlei gegenseitige Beeinflussungen gibt.
Die Verbindungen zwischen Psyche und Gehirn, neuronalen System und Immunsystem wird von Wissenschaftler_innen der Psychoneuroimmunologie momentan intensiv untersucht. Ebenso gibt es viel Forschung, wie sich Meditation und Achtsamkeit auf das Gehirn auswirkt und formt (Neuroplastizität). Darauf komme ich bald noch genauer in einem weiteren Artikel zu Meditation und Achtsamkeit.

Für viele Mediziner_innen und für mich wird es aber immer mehr zu akzeptiertem Wissen, dass diese Verbindung existiert. Im Buch „Life over cancer“ werden diesbezüglich auch viele Studien und wissenschaftliche Forschungen zitiert und diskutiert. Die dort arbeitenden Ärzt_innen sehen Tag für Tag, wie die Psyche den Behandlungserfolg beeinflusst.

Körper-Geist-Medizin anwenden

Bild zeigt einen kleine Buddhastatue und zwei Zeichnungen an einer Hauswand

Im Block Center kommen also viele Techniken der Körper-Geist-Medizin als „Basis“ einer Behandlung zum Einsatz. Körper-Geist-Techniken haben, wie beschrieben, zwar keinen direkten Einfluss auf Krebszellen und deren Aktivität, sehr wohl aber einen indirekten.

Sie können aber einen recht direkten Effekt auf Nebenwirkungen von Chemo- und Bestrahlungstherapien haben, wie z. B. Übelkeit. Wenn solche Methoden dann z. B. dazu führen, dass weniger Menschen eine Chemotherapie abbrechen, dann erhöht es die Überlebensdauer und -chancen und wirkt sich insgesamt dann auch auf physischer Ebene aus. Es gibt beispielsweise Untersuchungen, die zeigten, dass Patient_innen mit Hochdosis-Chemotherapie und Stammzelltransplantation, die mit Hypnose und Entspannungstechniken behandelt wurden, weniger schwere Schleimhautentzündungen und -schmerzen hatten. (vgl. Block 2009: 227). Im oben verlinktem Interview berichtet Penny Block, dass es Erkenntnisse gibt, dass Patient_innen, die vor, während und nach Chemotherapie tägliche geführte Entspannungsreisen wie z. B. mit der progressiven Muskelentspannung nach Jacobsen arbeiteten, deutlich weniger an Übelkeit und Erbrechen litten. Ebenso berichtet sie, dass, wenn Patient_innen auf eine Operation mit solchen Methoden vorbereitet werden, Nebenwirkungen verringert und Schmerzen gesenkt werden können.
Solche Ergebnisse sind für mich natürlich sehr spannend zu lesen und decken sich auch teilweise mit meinen Erfahrungen, über die ich weiter unten noch berichten werde.

Methoden, die im Block Center und in integrativen onkologischen Spitälern angewandt werden sind beispielsweise Meditation, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, psychologische Gespräche/Therapien, geführte Entspannungs-und Imaginationsreisen, kreatives Schreiben, Zufriedenheitsfragebögen, Imagination und vieles mehr.

Meine Erfahrung

Ich weiß nicht, wie die Erfahrungen anderer Krebspatient_innen ist, aber während meiner Behandlung waren psychische und geistige Maßnahmen nur am Rand erwähnt oder angeboten worden. Bei meiner Hochdosis-Chemotherapie war es anscheinend im Behandlungsprotokoll als Standard vorgeschrieben, dass vor der Behandlung eine Psychoonkologin oder ein Psychoonkologe mit dem Patienten/der Patientin sprechen muss (was natürlich sinnvoll ist).

Ich wurde bezüglich Medikation, Therapie und der schulmedizinischen Behandlung genau über alles Mögliche aufgeklärt, aber was ich psychisch oder mental tue, war in meiner Erfahrung nach meine Privatangelegenheit.
Es gab trotzdem viele interessante Gespräche mit Pfleger_innen und auch manchmal kurz mit Ärzt_innen, in denen viele nicht-medizinische Fragen Platz hatten und es z. B. um psychische Ressourcen und deren Wichtigkeit ging. Ich kann also nicht sagen, dass dafür gar kein Platz war. Es wurde nur nicht als zentrale Frage, wie etwa welche Chemotherapie verwendet werden soll, angesehen. Derzeit arbeiten die meisten Systeme noch so, aber es entwickelt sich immer mehr in die Richtung, dass Psyche und Geist als zentrale Ressourcen in die schulmedizinische Therapien einfließen.

Bezüglich des Effekts von Psyche und Geist auf Nebenwirkungen: Ich kann mich z. B. erinnern, dass ich bei meiner ersten Runde Hochdosis-Chemotherapie unglaublich Angst vor der Übelkeit und Erbrechen hatte. Ich hatte ständig den Gedanken „Wenn ich die dreifache Dosis an Therapie bekomme, dann muss es auch mit der Übelkeit dreimal so schlimm sein“. Natürlich war mir dann extrem übel und es gab drei Tage während der Therapie, an denen ich dachte „ich schaffe das nicht noch zweimal“. Aber ich habe es geschafft und sah so, dass ich tatsächlich durchhalten kann. Bei der zweiten und dritten Runde ging es mir dann schon viel besser. Außerdem habe ich viel mehr zu meditieren begonnen und bin immer tiefer in spirituelle Erkenntnisse und Zustände gekommen.

Bei meiner dritten Runde Hochdosis-Chemotherapie habe ich mich dann nicht ein einziges Mal übergeben müssen. Außerdem waren meine Entzündungswerte relativ niedrig (und das obwohl mein Immunsystem komplett auf null war). So habe ich nur ein Antibiotikum gebraucht, im Vergleich zu den Durchgängen davor, wo ich zwei verschiedene Antibiotika benötigt habe, um die Infektionen in Schach zu halten.
Ich kann natürlich nicht sagen, ob dies jetzt auf die Meditationen, Entspannungsreisen, oder auf die regelmäßige Psysiotherapie oder „gesunde“ Ernährung zurückzuführen war oder darauf, dass es mir einfach besser ging. Aber beim Lesen des Buches „Life over cancer“ bin ich mir jetzt wieder bewusst geworden, dass ich hier auf jeden Fall einen deutlichen Zusammenhang in meiner Erfahrung sehe.

Conclusio

Unser psychischer und geistiger Zustand wirkt sich auf vielen Ebenen auch auf körperliche Vorgänge und Zustände aus. Insofern ist die psychische Ebene auch bei körperlichen Erkrankungen/ Symptomen wichtig und kann entschieden zur Heilung beitragen!

Ich habe während meiner Erkrankung z.B. mit folgenden Dingen gearbeitet und werde im Laufe der nächsten Zeit eigene Artikel dazu veröffentlichen:

  • positives Denken/ Affirmationen
  • Körperwahrnehmungsübungen / Entspannungsreisen
  • Gedanken beobachten / Desindentifikations- Distanzierungstechniken
  • Arbeit mit Dankbarkeit – Wertschätzung kleiner Dinge
  • Arbeit mit Vergebung (mir selbst und anderen)
  • Mitgefühl für mich selbst entwickeln – den internen Dialog wertschätzend gestalten
  • Arbeit mit Imaginationen / positiven Bildern
  • Sich dem Leben hingeben / Widerstand gegen den gegewärtigen Moment aufgeben
  • Meditation – verschiedene Techniken
  • Spirituelle Literatur und Hörbuche – Sinn in der Erkrankung finden
  • Nicht-dualität – „Ich bin mehr als nur dieser Körper“
  • Meditation / Konfrontation mit dem Thema Tod
  • Deutung der Krankheit – was will mir mein Körper sagen?

In einem weiteren Artikel möchte ich auch mehr dazu schreiben, was es an interessanter Forschung darüber gibt, wie Meditation wirkt. Bleibt also gespannt. Es wird noch vieles zu entdecken geben!

Ressourcen

Keith I. Block, M.D. (2009): Life over cancer. The Block Center Program for Inegrative Cancer Treatment. Bantam Dell, New York

Homepage des Block Centers

Life over cancer – Blog zum Buch (Englisch)

Robert Masters – „Spiritual bypassing. Avoidance in holy drag“

Penny Block – 5min Video über den Einfluss der Psyche auf die Behandlung von Krebspatient_innen (Englisch)

 


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